Eine Dienstleistung der Aargauischen Stiftung Suchthilfe ags.

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Ratgeber-Reihe aus dem General-Anzeiger

Ist eine Sucht vererbbar?

„Unsere Nachbarin hat einen 13 jährigen Sohn, der oft zu uns zum Mittagessen kommt. Gemäss unserer Kenntnis hat der Vater des Jungen, ihr Ex-Partner, immer wieder mit Suchtproblemen im illegalen Bereich zu kämpfen. In letzter Zeit hören wir – vor allem im Streit ums Rauchen - Bemerkungen von der Mutter gegenüber ihrem Sohn, dass er wie sein Vater werde. Kann er die Sucht von seinem Vater erben?“

Die Genforschung hat in den letzten Jahren tatsächlich Genkonstellationen gefunden, welche das Risiko für eine Suchterkrankung erhöhen. Doch hat sich gezeigt, dass eine risikoreiche Kombination von Genen nur dann zu einer Sucht führt, wenn die Person auch anderen Risikofaktoren ausgesetzt ist: z.B. Suchtmilieu, Gewalt, Vernachlässigung. Unterschiede im Suchtrisiko werden zu 50% durch die Vererbung, aber auch zu 50% durch die Lebensumstände erklärt.

Beziehungen als Schutzfaktor
Wenn ein erblich vorbelastetes Kind in einer Umgebung aufwächst, in der es eine stabile emotionale Beziehung zu mindestens einem Elternteil oder einer anderen Person hat, kann man von einem Schutzfaktor sprechen. Dieser senkt das Risiko für eine Suchterkrankung. Ein weiterer Schutzfaktor ist die Unterstützung oder der soziale Rückhalt durch Personen ausserhalb der Familie. Insofern tragen Sie auch Ihren Teil bei, indem Sie den Jungen am Mittagstisch haben! Die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern kann gefördert werden, indem diese zum Beispiel über ihre Gefühle sprechen lernen. Vererbung muss sich nicht negativ auswirken - im Gegenteil, unter guten Bedingungen können betroffene Kinder ausserordentliche Stärken entwickeln.

„Gemeinsam stark“
Unter diesem Namen führen die Suchtberatung ags und weitere Kooperationspartner Kurse für Familien durch, welche von Sucht oder psychischer Krankheit betroffen sind. Unter anderem haben die Eltern dort die Möglichkeit, mit ihren Kindern altersgerecht über die eigene Erkrankung zu sprechen – dies ist ebenfalls ein wichtiger Schutzfaktor. Sie dürfen die Mutter gerne darauf hinweisen, dass sie als Angehörige auch Beratungen in der Suchtberatung ags wahrnehmen und so Unterstützung im Umgang mit ihrem Ex-Partner erhalten kann.

Gene positiv verändern?
Aus der Forschung der „Epigenetik“, die noch in den Anfängen steckt, wissen wir inzwischen, dass es in der DNA, also im „Bauplan“ des Menschen, variable Stellen gibt. Das heisst, gewisse Gene können sich im Laufe des Lebens in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen verändern. Es gibt Hinweise dafür, dass diese Veränderungen weitervererbt werden können. Es besteht somit die Hoffnung, dass sich eine gewonnene innere Stärke auf die nachfolgende Generation auch genetisch positiv auswirkt.

 

Dieser Ratgeber ist erschienen im General-Anzeiger Bezirk Brugg und der Rundschau vom 7.11.2019 

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