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Ratgeber-Reihe aus dem General-Anzeiger

Wie gefährlich sind Online-Casinos?

„Seit dem Lockdown im Frühling geht beim Mann nicht mehr ins Casino. Dafür spielt er nun online. Das macht mir Sorgen. Er sagt, dass man sich dort selber Grenzen einrichten könne. Wie hoch ist die Suchtgefahr von Glücksspielen im Internet?“


Seit Corona sticht die Werbe-Offensive der Schweizer Online-Casinos ins Auge. Die Casinos, welche an diesen beteiligt sind, können so die Ausfälle der Pandemie zumindest teilweise kompensieren. Neben ehemaligen Casinogästen - wie Ihr Mann - sind gemäss Studien auch viele neue Spielende in das Online-Glücksspiel eingestiegen.


Gesetzlich geregelt
Seit 2019 gibt es in der Schweiz ein neues Geldspielgesetz. Damit sind Online-Glücksspiele erlaubt, sofern sie von den dafür konzessionierten Schweizer Casinos angeboten werden. Alle ausländischen oder auch anderen Anbieter von Glücksspielen im Internet sind verboten und werden fortlaufend gesperrt. Der Vorteil ist, dass eine Person, die sich selbst zum eigenen Schutz sperren lässt (ob online oder in einem realen Casino), auch in allen Online-Casinos der Schweiz gesperrt ist. 

Verantwortungsvolles Spielen
Die Aussage Ihres Mannes trifft zu. In den Online-Casino ist ein Verlustlimit vorgeschrieben: Ihr Mann muss einen Betrag angeben, den er in 24h höchstens verlieren darf. Damit man nach einem grossen Verlust die Grenze nicht noch schnell erhöhen kann, tritt eine Erhöhung erst nach 24 Stunden in Kraft. Je nach Online-Casino können weitere Grenzen gesetzt werden: Zum Beispiel, wieviel Geld man maximal pro Tag, Woche oder Monat auf das eigene Benutzerkonto einzahlen will. Man kann zusätzliche Verlustlimits setzen oder auch die Einsätze begrenzen. Das Benutzerkonto zeigt eine Übersicht über die gespielte Zeit, die getätigten Einsätze, die Gewinne und Verluste. Man kann sich eine Erinnerungsmeldung schicken lassen, wenn eine gewisse Spieldauer erreicht ist. Schliesslich können Spielpausen von unterschiedlicher Dauer gewählt werden. Das alles ermöglicht theoretisch eine gute Selbstkontrolle.

Grosses Suchtpotential von Online-Glücksspielen
Nun ist aber jede Regel nur so stark wie der Mensch, der sie aufgestellt hat. Tatsache ist, dass die Gefahr der Abhängigkeit im Online-Casino grösser ist als in einem realen Casino: Einsätze können im Sekundentakt getätigt werden. Mit dem Handy kann überall und Tag und Nacht gespielt werden. Weil mit der Kreditkarte eingezahlt wird, fehlt der Bezug zum Geld. Und auch die soziale Kontrolle ist nicht vorhanden. Ihre Sorgen sind deshalb durchaus berechtigt. Reden Sie mit Ihrem Mann darüber. Fragen Sie nach den Einstellungen, die er vorgenommen hat. Im Notfall können sich auch Angehörige an jedes Casino wenden und eine Sperre beantragen.
 

 

Dieser Ratgeber ist erschienen im General-Anzeiger Bezirk Brugg vom 5.11.2020

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